Ratgeber: Solarthermie
Zwei Hände unter dem Strahl eines Wasserhahns

Letzte Aktualisierung:

03.06.2025

11 Minuten

Heizen und Warmwasser mit Solarthermie: So geht‘s

Eine Solarthermieanlage wandelt Sonnenenergie in Wärme um und kann sowohl Warmwasser aufbereiten als auch die Heizung unterstützen. Dadurch lassen sich Heizkosten senken und fossile Brennstoffe wie Gas oder Öl einsparen. Erfahre, wie Solarthermie funktioniert, welche Anlagengröße sinnvoll ist und worauf du bei der Planung achten solltest.

Solarthermie als Alternative zu fossilen Brennstoffen

Viele verbinden mit dem Begriff Solar klassischerweise Photovoltaik- beziehungsweise PV-Anlagen, bei denen Solarmodule die Energie der Sonne in Strom umwandeln. Unter den Oberbegriff Solaranlagen fallen aber auch Solarthermieanlagen. Sie wandeln Sonnenenergie in Wärmeenergie um.

 

Für wen lohnt sich Solarthermie?

Eine Solarthermieanlage kann sich besonders lohnen, wenn dein Haushalt folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Ein hoher Warmwasserbedarf – etwa, weil mehrere Personen im Haushalt leben
  • Eine geeignete Dachfläche mit möglichst wenig Verschattung
  • Ein passendes Heizsystem – insbesondere, wenn die Solarthermie auch die Heizung unterstützen soll
  • Geplante langfristige Nutzung. So kann sich die Investition über die eingesparten Energiekosten besser amortisieren

Wie funktionieren Solarthermieanlagen?

Die zentralen Komponenten einer Solarthermieanlage sind die Solarkollektoren. Zur Warmwasserbereitung kommen hauptsächlich zwei Kollektortypen zum Einsatz: Flachkollektoren und Vakuumröhrenkollektoren.

Artikel-Tipp zum Weiterlesen

PV-Anlagen auf Flachdächern können höhere Erträge erzielen als Module auf Schrägdächern. In unserem Ratgeber erfährst du, wie sie befestigt werden, wie du den idealen Neigungswinkel berechnest – und was du in puncto Statik und Reinigung beachten musst.

Was sind Flachkollektoren? 

Flachkollektoren bestehen aus flachen Platten mit einem Absorber, der einen großen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung in Wärme umwandelt. Unter dem Absorber verlaufen Rohre mit Solarflüssigkeit, die durch Sonneneinstrahlung erwärmt wird. Eine Glasabdeckung schützt die Kollektoren, wobei durch die Luftschicht zwischen Glas und Absorber geringe Wärmeverluste entstehen.

Was sind Vakuumröhrenkollektoren?

Vakuumröhrenkollektoren bestehen aus doppelwandigen Glasröhren (Heatpipes), die wie eine Isolierkanne aufgebaut sind. Im Inneren befindet sich Solarflüssigkeit oder ein Wärmeträgermedium, das die Sonnenenergie aufnimmt. Ein Vakuum zwischen den Glaswänden der Röhren minimiert Wärmeverluste, während eine spezielle Absorberschicht einen großen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung aufnimmt und in Wärme umwandelt. Dank ihres hohen Wirkungsgrads benötigen sie weniger Fläche als Flachkollektoren, um die gleiche Energiemenge zu erzeugen.

Vorteile und Nachteile von Flachkollektoren im Überblick

Vorteile und Nachteile von Flachkollektoren

VorteileNachteile
Montage auch an Fassaden möglichEnergieverluste an den Außenflächen
geringer Reinigungsbedarfgeringerer Wirkungsgrad
günstiger als Vakuumröhrenkollektoren

Vorteile und Nachteile von Vakuumröhrenkollektoren

VorteileNachteile
hoher Wirkungsgradhöhere Anschaffungskosten
niedrige Energieverlusteerhöhter Reinigungsbedarf
weniger Fläche benötigt

Funktionsweise einer Solarthermieanlage

Sonnenkollektoren erhitzen eine Solarflüssigkeit, die über eine Pumpe zum Warmwasserspeicher geleitet wird. Dort gibt ein Wärmetauscher die Wärme an das Brauchwasser ab. Anschließend fließt die abgekühlte Solarflüssigkeit zurück zu den Kollektoren, wo sie erneut erwärmt wird. Die Anlage reguliert sich automatisch je nach Bedarf.

Neben der Warmwasserbereitung kann eine Solarthermieanlage auch Heizungswasser erwärmen, wodurch Öl- und Gasverbrauch sinken und Heizkosten gespart werden. Da die Sonneneinstrahlung im Winter begrenzt ist, eignet sich Solarthermie nicht als alleinige Heizung, aber als effiziente Ergänzung, die sich leicht nachrüsten lässt.

Artikel-Tipp zum Weiterlesen

Wie du eine Solarthermieanlage als Heizung mit einer umweltfreundlichen Wärmepumpe kombinierst, erfährst du in unserem Ratgeber "Wärmepumpe mit Solarthermie".

Wie viele Solarkollektoren brauche ich für Warmwasser?

Die benötigte Kollektorfläche hängt von Ausrichtung, Neigung, Kollektortyp und individuellem Wasserverbrauch ab. Eine nach Süden, Südosten oder Südwesten ausgerichtete Solaranlage fängt beispielsweise mehr Sonnenstrahlung ein als Kollektoren, die auf einem Dach mit Ost-West-Ausrichtung angebracht sind. Neigungswinkel und etwaige Verschattung beeinflussen den Energieertrag ebenfalls.

Orientierungswerte:

  • Flachkollektoren: 1,5 Quadratmeter pro Person im Haushalt
  • Vakuumröhrenkollektoren: 1 Quadratmeter pro Person im Haushalt

Ein Vierpersonenhaushalt benötigt also etwa vier bis sechs Quadratmeter für Warmwasser. Bei zusätzlicher Heizungsunterstützung sollte die Fläche 8 bis 12 Quadratmeter betragen.

Und wie groß sollte der Solarspeicher sein?

Ein richtig dimensionierter Solarspeicher ist entscheidend für eine effiziente Warmwasserbereitung. Die gängigen Richtwerte lauten wie folgt:

  • Trinkwasserspeicher für Warmwasser mit 200 bis 400 Litern im Einfamilienhaus: Enthält das Wasser, das zum Beispiel in Bad und Küche benötigt wird.
  • Pufferspeicher für Heizungsunterstützung mit 600 bis 800 Litern: Sind häufig als Schichtenspeicher konzipiert und integrieren die Warmwasserbereitung in Form sogenannter Hygiene-Schichtenspeicher

Gut zu wissen: In Kombispeichern wird Heiz- und Trinkwasser getrennt gespeichert. Gut geplant deckt Solarthermie bis zu 60 Prozent des Warmwasserbedarfs über das Jahr ab und kann darüber hinaus als Heizungsunterstützung den Brennstoffverbrauch reduzieren. 

Was kostet eine Solarthermieanlage für warmes Wasser oder als Heizungsunterstützung?

Die Gesamtkosten einer Solarthermieanlage – inklusive Speicher, Pumpe, Leitungen und Montage – hängen von Größe, Kollektortyp und Installationsaufwand ab. Für Flachkollektoren liegen die Kosten zwischen 250 und 600 Euro pro Quadratmeter, während die effizienteren Röhrenkollektoren mit 350 bis 800 Euro pro Quadratmeter berechnet werden. 

Hier eine beispielhafte Kostenaufstellung für Solarthermieanlagen auf einem Einfamilienhaus (zur Quelle ADAC):

  • Warmwasserbereitung: 3.000 bis 6.000 Euro
  • Heizungsunterstützung: 7.000 bis 10.000 Euro
  • Kombinierte Nutzung (Warmwasser + Heizung): 7.000 bis 17.000 Euro

Die genaue Höhe variiert je nach Anbieter und Einbausituation. Den Preis für eine neue Solaranlage kannst du in vielen Fällen auch durch Fördermittel senken.

Wird Solarthermie gefördert?

Die Installation von Solarthermieanlagen wird staatlich gefördert. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) können Hausbesitzer:innen Zuschüsse und günstige Kredite erhalten. Ob und in welcher Höhe eine Förderung möglich ist, hängt von der konkreten Maßnahme und den Voraussetzungen ab.

Tipp: Details zu Zuschüssen und Krediten, inklusive Antragsvoraussetzungen und geltenden Zinssätzen findest du in unserem Ratgeber über Förderung von Solarthermie.

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