Negative Strompreise: Ursachen und Folgen
Letzte Aktualisierung:
02.10.2026
4 Minuten
Negative Strompreise entstehen, wenn mehr Strom angeboten als nachgefragt wird. Dann müssen Erzeuger von Strom für die Abnahme des Stroms zahlen. Was bedeutet das für Verbraucher:innen, Besitzer:innen von privaten Photovoltaikanlagen und das deutsche Stromnetz?
Am sogenannten Day-Ahead-Markt der sogenannten Spot-Börse der EPEX wird Strom gehandelt. Dabei werden Börsenstrompreise für jede Viertelstunde des kommenden Tages ermittelt. Zu Zeiten, in denen ein Überangebot vorhanden ist, kann der Preis in den Minusbereich fallen. Das passiert in Zeiten, in denen die Nachfrage nach Strom gering ist, beispielsweise an Wochenenden und an Feiertagen, wenn gleichzeitig viel Solarstrom und Windstrom erzeugt wird – oder auch zur Mittagszeit, wenn viel Solarstrom erzeugt wird. Dann müssen Anbieter dafür bezahlen, dass ihnen der Strom abgenommen wird.
Gut zu wissen: Die EPEX SPOT sitzt in Paris, gehört aber zur EEX-Gruppe (European Energy Exchange), die ihren Sitz in Leipzig hat. Teilweise wird darum im Zusammenhang mit negativen Strompreisen von der „Leipziger Strombörse“ gesprochen.
Tatsächlich stellen einige Erzeuger die Stromproduktion wegen negativer Preise ein. Es gibt jedoch verschiedene Gründe, aus denen das oft nicht möglich ist:
Wer profitiert von negativen Strompreisen?
Einige industrielle Großverbraucher können ihre Produktion gezielt in Zeiten negativer Preise verlagern und dadurch Kosten sparen.
Privathaushalte dagegen profitieren in der Regel nicht von negativen Strompreisen. Denn die meisten Stromkund:innen haben Stromtarife mit einem festgelegten Grund- und Arbeitspreis. Zudem besteht der Strompreis neben den Erzeugungs- oder Beschaffungskosten aus weiteren Bestandteilen wie Netzentgelten, Steuern, Abgaben und weiteren Kosten, die sich durch Negativpreise nicht verändern.
Etwas anderes gilt bei einem dynamischen Stromtarif: Dabei richtet sich der variable Teil des Arbeitspreises nach dem aktuellen Börsenstrompreis. Wenn dieser variable Teil in einzelnen Viertelstunden auf einen sehr niedrigen Stand sinkt oder sogar negativ wird, kannst du davon profitieren – etwa indem du zu diesen Zeiten dein Elektroauto oder deinen Batteriespeicher lädst. Ob sich daraus am Ende für dich sogar ein negativer Gesamtarbeitspreis oder eine Gutschrift ergibt, hängt von deinen konkreten Tarifbedingungen und den übrigen Preisbestandteilen ab.
Gut zu wissen: Um einen dynamischen Stromtarif effizient nutzen zu können, benötigst du ein intelligentes Messsystem beziehungsweise einen Smart Meter, das den Stromverbrauch in kurzen Takten erfasst und die Messwerte automatisch übermittelt.
2025 gab es laut Bundesnetzagentur in Deutschland 573 Stunden mit negativen Strompreisen – mehr als achtmal so viele wie im Energiekrisenjahr 2022. Die negativen Preise variieren dabei stark: von wenigen Cent bis zu einzelnen Viertelstunden mit Minuspreisen von mehreren hundert Euro pro Megawattstunde.
Stunden mit negativen Strompreisen in Deutschland von 2008 bis 2025
Quelle: Bundesagentur | SMARD.de; Datenbasis 2008-2014: EPEX Spot/Frauenhofer ISE

Negative Strompreise entstehen, wenn mehr Strom erzeugt als nachgefragt wird. Gleichzeitig kann es in solchen Situationen zu regionalen Überlastungen kommen, wenn das Stromnetz die hohe Strommenge nicht vollständig aufnehmen oder weitertransportieren kann und der Strom auch nicht anderweitig gespeichert werden kann.
Kurzfristig kann dies zum Abregeln einzelner Erzeuger führen. Langfristige Lösungen sind ein Ausbau des Stromnetzes, eine bessere Steuerung des Netzes sowie weitere Möglichkeiten für Verbraucher, Strom zu speichern oder ihren Bedarf flexibler zu gestalten.
Wenn du als Betreiber einer privaten Photovoltaikanlage deinen Überschuss an Solarstrom ins öffentliche Stromnetz einspeist, erhältst du dafür derzeit noch Einspeisevergütung. Diese ist nicht an den Börsenstrompreis gekoppelt. Dennoch können negative Strompreise Auswirkungen auf die Vergütung haben. Denn das 2025 in Kraft getretene Solarspitzengesetz regelt, dass die Vergütung für bestimmte PV-Anlagen, bei negativen Strompreisen auf null sinkt. Die Vergütung entfällt aber nicht dauerhaft – stattdessen verlängert sich der 20-jährige Vergütungszeitraum entsprechend.
Wichtig: Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, die Einspeisevergütung für neu installierte Anlagen schrittweise abzuschaffen, ist jedoch noch nicht vom Parlament beschlossen worden (Stand: September 2026).
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