Ratgeber: Stromnetz
Mehrere Strommasten mit Hochspannungsleitungen stehen auf einem Feld.

Letzte Aktualisierung:

02.10.2026

5 Minuten

Wie funktioniert das deutsche Stromnetz?

Erfahre, wie das deutsche Stromnetz aufgebaut ist, was Netzstabilität bedeutet und wie Netzbetreiber mit technischen und gesetzlichen Maßnahmen für einen sicheren Betrieb sorgen.

Wie ist das deutsche Stromnetz aufgebaut?

Das deutsche Stromnetz besteht aus einem Übertragungsnetz und zahlreichen Verteilnetzen, die den erzeugten Strom zu den Verbrauchern leiten.

  • Das Übertragungsnetz ist ein Höchstspannungsnetz, das Strom über weite Strecken transportiert. Es ist mit den Stromnetzen anderer europäischer Länder verbunden.
  • Das Verteilnetz besteht aus vielen Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetzen, die den Strom regional verteilen: an Städte, Gemeinden, Unternehmen und Haushalte. Seine letzte Stufe besteht aus dem Ortsnetz, das den Strom zu den Endverbraucher:innen bringt. An die Verteilnetze sind auch viele dezentrale Stromerzeuger angeschlossen, etwa privat betriebene Photovoltaikanlagen.

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Wer sind die Netzbetreiber – und welche Aufgaben haben sie?

Netzbetreiber kümmern sich um die Stromnetze. Zu ihren Aufgaben gehört es:

  • Stromnetze zu betreiben und zu überwachen
  • Störungen zu erkennen und zu beheben
  • Haushalte, Unternehmen und Erzeugungsanlagen anzuschließen
  • Netze auszubauen und zu modernisieren
  • Netzengpässe und andere kritische Situationen zu bewältigen

Es gibt in Deutschland mehr als 850 Verteilnetzbetreiber und vier Übertragungsnetzbetreiber: 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW. Teilweise sind Unternehmen gleichzeitig Verteilnetzbetreiber und Stromlieferanten. In diesem Fall muss der Netzbetrieb aber rechtlich und organisatorisch getrennt werden.

Gut zu wissen: Dein Verteilnetzbetreiber prüft auch, ob deine PV-Anlage oder deine Wärmepumpe an das örtliche Stromnetz angeschlossen werden kann.

Was bedeutet Netzstabilität?

Ein stabiles Stromnetz muss Störungen verkraften können, ohne dass die Versorgung zusammenbricht. Dafür müssen unter anderem Netzfrequenz und Spannung innerhalb festgelegter Grenzen bleiben.

  • Die Netzfrequenz gibt an, wie schnell der Wechselstrom im Stromnetz schwingt. Im europäischen Verbundnetz, zu dem auch das deutsche Stromnetz gehört, liegt sie bei 50 Hertz. Sie sinkt, wenn mehr Strom verbraucht als erzeugt wird und steigt, wenn mehr Strom erzeugt als verbraucht wird. Beide Szenarien können die Funktion von Generatoren, Wechselrichtern, Motoren und anderen elektrischen Anlagen beeinträchtigen. Im Extremfall drohen Kaskadeneffekte und großflächige Stromausfälle.

  • Die Netzspannung wird vor allem durch Stromverbrauch und Einspeisung beeinflusst. Entnehmen Verbraucher viel Strom, kann die Spannung sinken. Speisen hingegen viele PV-Anlagen gleichzeitig Strom ein, kann die Spannung lokal ansteigen. Weil Spannung auf langen Strecken sinkt, kann auch die Länge von Leitungen die Spannung beeinflussen – ebenso wie sogenannte Blindleistung, die einige elektrische Geräte und Anlagen benötigen, um magnetische oder elektrische Felder aufzubauen.

Wenn sich die Spannung nicht innerhalb des zulässigen Spannungsbands bewegt, können elektrische Geräte und Netzanlagen gestört oder beschädigt werden.

Was verursacht Instabilität im Stromnetz?

Im Stromnetz gibt es ständig kleinere und größere Störungen.

  • Große Anlagen oder Leitungen fallen aus
    Technische Defekte, Kurzschlüsse oder der Ausfall einer wichtigen Leitung können dazu führen, dass Leitungen zu stark belastet werden oder sich Spannung und Frequenz aus dem zulässigen Bereich heraus bewegen.

  • Stromerzeugung und Verbrauch passen nicht zusammen
    Steigt der Verbrauch plötzlich stark an oder fällt ein Kraftwerk aus, fehlt es kurzfristig an Leistung. Umgekehrt kann eine unerwartet hohe Einspeisung, etwa aus Wind- oder Solaranlagen, zu einem Überschuss führen.

  • Die Stromleitungen sind überlastet
    Müsste mehr Strom über eine Leitung fließen, als diese sicher transportieren kann, spricht man von einem Netzengpass. Dieses Szenario tritt besonders häufig an windigen Tagen auf. Dann erzeugen Windkraftanlagen in Norddeutschland viel Windstrom, der in der Region nicht verbraucht werden kann. Gleichzeitig gibt es nicht ausreichend viele Leitungen, um den Strom in Regionen mit größerem Strombedarf zu transportieren.

Was passiert bei einer Störung im Stromnetz?

Das Stromnetz ist darauf ausgelegt, dass es auch den Ausfall einzelner Leitungen oder anderer Netzelemente verkraften kann. Bei einem Kurzschluss oder einem anderen technischen Fehler reagieren automatische Schutzsysteme innerhalb sehr kurzer Zeit. Sie trennen beispielsweise fehlerhafte Leitungen oder Anlagen vom Netz.
Erkennen die Netzbetreiber jedoch ein größeres Problem, müssen sie eingreifen:

  • Ein Ungleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch lösen die Übertragungsnetzbetreiber mit sogenannter Regelenergie. Fehlt kurzfristig Strom, rufen sie positive Regelenergie ab: Kraftwerke erhöhen ihre Leistung oder flexible Anlagen speisen zusätzliche Energie ein. Gibt es hingegen einen Überschuss, wird negative Regelenergie abgerufen: Kraftwerke reduzieren ihre Leistung oder flexible Verbraucher nehmen zusätzlich Strom aus dem Netz auf. Die schnellste Regelreserve muss innerhalb von 30 Sekunden aktiviert werden können, weitere Reserven innerhalb weniger Minuten.

  • Droht die Überlastung einer Stromleitung, greift der Redispatch. Das heißt: Kraftwerke und Anlagen, die in Leitungen einspeisen, die sich vor dem Engpass befinden, müssen ihre Leistung reduzieren. Manchmal werden sie sogar „abgeregelt“, müssen also ihre Einspeisung vollständig einstellen. Gleichzeitig erhöhen Anlagen, die sich hinter dem Engpass befinden, ihre Einspeiseleistung. 

  • Reichen die am Markt verfügbaren Kraftwerke nicht für einen Redispatch aus, können die Übertragungsnetzbetreiber die Netzreserve nutzen: Dann werden Reservekraftwerke aktiviert, die nicht Teil des normalen Strommarkts sind, sondern nur auf Anforderung eingesetzt werden, um das Netz zu entlasten.

Netzengpässe 2015 bis 2025

So viel Strom mussten die Netzbetreiber in Deutschland wegen Engpässen umleiten, zusätzlich einspeisen oder abregeln

Quelle: Bundesnetzagentur

Graph über die Netzengpässe 2015 bis 2025

Was ist Redispatch 2.0?

Redispatch 2.0 ist der Name eines Verfahrens, mit dem Netzbetreiber seit 2021 Erzeugung und Strombezug gezielt anpassen, um Netzengpässe zu vermeiden. Anders als beim früheren Redispatch werden dabei auch Erneuerbare-Energien- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) sowie Stromspeicher einbezogen.

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Was ist der Netzreservebedarf?

Der Netzreservebedarf bezeichnet die Leistung, die durch die Reservekraftwerke vorgehalten werden muss, damit die Engpässe bewältigt werden können, die die Netzbetreiber erwarten. Sie wird jährlich von den Übertragungsnetzbetreibern kalkuliert. Dabei berücksichtigen sie unter anderem, wie viel Strom im kommenden Jahr vermutlich erzeugt und verbraucht wird, welche Kraftwerke zur Verfügung stehen und wie viel Strom importiert und exportiert werden kann.

Warum sind neue Stromleitungen so wichtig?

Neue Stromleitungen schaffen zusätzliche Transportkapazität. Diese wird zum einen benötigt, um große Mengen an Windstrom aus Norddeutschland in andere Regionen zu transportieren. Zum anderen erhöht sich der Strombedarf insgesamt – insbesondere durch eine wachsende Zahl von Elektroautos und Wärmepumpen und die zunehmende Elektrifizierung der Industrie. Die Bundesnetzagentur sieht im Netzausbau das wichtigste Instrument, um den Bedarf an Redispatch und Netzreserve auf lange Sicht zu verringern.

Dürfen die Netzbetreiber nach Belieben in den Markt eingreifen?

Das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) legt fest, welche Maßnahmen die Netzbetreiber zur Sicherung der Stromversorgung und des Netzbetriebs ergreifen dürfen und welche Pflichten für Netz- und Anlagenbetreiber gelten. Zudem überwacht die Bundesnetzagentur den Strommarkt und die Netzbetreiber. Sie prüft unter anderem, welche Reservekapazitäten für einen sicheren Netzbetrieb erforderlich sind.



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