Ratgeber: Ablauf der EE-Vergütung
Zwei Personen sitzen an einem Holztisch und schauen gemeinsam auf einen geöffneten Laptop, eine Person schreibt mit einem Stift auf Papier

Letzte Aktualisierung:

25.06.2026

5 Minuten

Was passiert, wenn die Einspeisevergütung nach 20 Jahren ausläuft?

Wenn deine PV-Anlage 20 Jahre lang in Betrieb war, endet dein Anspruch auf Einspeisevergütung. Aber was kommt dann? Möchtest du weiterhin Strom einspeisen? Auf Eigenverbrauch umstellen? Eine neue Anlage installieren? Oder nur Teile der alten Anlage erneuern? Wir erklären dir, welche Optionen du hast und wann sie sich lohnen.

Für jede Kilowattstunde Solarstrom (kWh), die du ins öffentliche Stromnetz einspeist, erhältst du eine feste Vergütung. Diese Einspeisevergütung, auch EEG-Vergütung genannt, ist jedoch auf einen Zeitraum von 20 Jahren ab Inbetriebnahme deiner Anlage begrenzt. Nimmst du deine Anlage beispielsweise am 31. Dezember 2006 in Betrieb, endet der Vergütungszeitraum am 31. Dezember 2026. Danach gilt deine Anlage als sogenannte Ü20-Anlage.

Was passiert mit einer Ü20-Anlage, wenn du nichts tust?

Wenn du nichts unternimmst, speist du deinen Strom weiterhin automatisch in das öffentliche Netz ein. Statt der Einspeisevergütung ist nun der Marktwert Solar entscheidend. Das ist der Durchschnittspreis, der für Solarstrom innerhalb eines bestimmten Zeitraums am Strommarkt erzielt wurde. Im Jahr 2025 lag dieser laut den vier Übertragungsnetzbetreibern bei durchschnittlich 4,508 Cent pro kWh 1. Bei der Vergütung einer Ü20-Anlage wird von diesem Wert eine Gebühr abgezogen, die dein Netzbetreiber für die Vermarktung deines Stroms einbehält. Zudem ist die Vergütung auf maximal 10 Cent pro kWh begrenzt. Aktuell gilt diese Regelung zunächst bis zum 31. Dezember 2032. Danach dürfen Besitzer:innen einer privaten PV-Anlage weiterhin Strom in das öffentliche Netz einspeisen.Wie dieser dann vergütet wird, ist jedoch noch nicht festgelegt.

Ist es sinnvoll, den Eigenverbrauch zu erhöhen?

Der Wegfall der Förderung ist ein guter Anlass, deinen Eigenverbrauchsanteil zu erhöhen oder sogar vollständig auf Eigenverbrauch umzusteigen. Für Strom, den du selbst nutzt, erhältst du keine Vergütung. Gleichzeitig senkst du deine Energiekosten, denn selbst erzeugter Solarstrom kostet etwa zwischen 10 und 15 Cent pro kWh 2. Strom aus dem Netz lag im Bundesschnitt Anfang 2026 bei rund 32 Cent pro kWh 3.

Gut zu wissen: Strom, den du nicht selbst nutzt, kannst du weiterhin als Überschuss in das Netz einspeisen.

Wie stellst du von Volleinspeisung auf Eigenverbrauch um?

Wenn du als Volleinspeiser deinen Solarstrom bislang vollständig in das öffentliche Netz eingespeist hast, sind vor der Umstellung einige technische Maßnahmen durch einen Fachbetrieb erforderlich.

  • Die Verschaltung im Zählerschrank muss angepasst werden.
  • Meist ist ein Zählerwechsel nötig, da du künftig einen Zweirichtungszähler benötigst. Viele Volleinspeiseanlagen besitzen nur einen Einrichtungszähler.
  • Häufig ist ein Austausch des Wechselrichters gegen ein modernes Gerät mit Speicherschnittstelle sinnvoll.
  • Einige Netzbetreiber fordern zudem, den Zählerschrank auf den aktuellen Stand der Technik aufzurüsten.

Insgesamt solltest du mit Kosten von rund 2.000 Euro rechnen. Zusätzlich gelten rechtliche Vorgaben: Du meldest die Umstellung deiner PV-Anlage deinem Netzbetreiber und trägst sie im Marktstammdatenregister ein.

Darum lohnt sich ein großer Stromspeicher

Ein Batteriespeicher hilft dir, den Strom deiner PV-Anlage optimal zu nutzen. In unserem Ratgeber erfährst du, warum du bei der Planung nicht zu klein denken solltest.

Ist es sinnvoll, die Ü20-Anlage durch eine neue PV-Anlage zu ersetzen?

Möglicherweise lohnt es sich für dich, anstelle deiner bisherigen Anlage eine neue PV‑Anlage zu installieren. Im Vergleich zu einer 20 Jahre alten Anlage erzeugen moderne Solarmodule auf der gleichen Dachfläche bis zu doppelt so viel Strom.

Ein klarer Vorteil: Die Preise für Hardware sind deutlich gesunken, und steuerliche Erleichterungen verbessern die Wirtschaftlichkeit zusätzlich. So installierst du eine PV‑Anlage heute günstiger als noch vor einigen Jahren. Daher lohnt es sich, die verfügbare Dachfläche möglichst vollständig zu nutzen.
Für die neue Anlage erhältst du ab der Inbetriebnahme erneut 20 Jahre lang eine Einspeisevergütung. Triff deine Entscheidung jedoch zeitnah, denn vieles deutet darauf hin, dass die Bundesregierung die Einspeisevergütung perspektivisch abschafft.

Übrigens: Auch die Module deiner bisherigen Anlage lassen sich oft weiter nutzen, zum Beispiel im Garten, an deinem Wochenendhaus oder auf deinem Wohnmobil.

 

Artikeltipp zum Weiterlesen

Mehr Details dazu, wie du eine PV-Anlage registrierst, welche Fristen gelten und wie du Erweiterungen meldest, erfährst du in unserem Ratgeber zum Marktstammdatenregister.

Erneuerung statt Neukauf: Lohnt sich Repowering für PV-Anlagen?

Eine Alternative zum Kauf einer neuen PV-Anlage ist das sogenannte Repowering. Dabei ersetzt du nicht die vollständige alte Anlage, sondern tauschst einzelne Bestandteile gegen leistungsstärkere Komponenten aus, insbesondere Module und Wechselrichter. Früher war dafür Voraussetzung, dass ein Defekt oder Schaden an den alten Modulen vorlag. Durch das 2024 in Kraft getretene Solarpaket 1 darfst du jedoch auch intakte Module durch modernere ersetzen. Zusätzlich kannst du die Anlage über die ursprünglich genutzte Dachfläche hinaus erweitern. Wichtig ist, dass die PV-Anlage am gleichen Standort bleibt. Als Repowering gilt es nicht, wenn du Module auf einem bislang ungenutzten Dach oder auf einer freien Fläche neu installierst.

Die entscheidenden Unterschiede zwischen Repowering und dem Neukauf einer PV-Anlage:

  • Du investierst weniger, weil du bestehende Komponenten wie Unterkonstruktion und Verkabelung weiter nutzt.
  • Nach aktueller Rechtslage erhältst du für die ursprünglich installierte Leistung weiterhin die vereinbarte Einspeisevergütung bis zum regulären Ende des 20-jährigen Vergütungszeitraums. Für die zusätzlich installierte Leistung gilt dies als Neueinbau. Dafür bekommst du ab der Inbetriebnahme die aktuell gültigen Vergütungssätze für weitere 20 Jahre.
    Ein Beispiel
    : Du betreibst eine PV-Anlage mit 10 kWp Leistung, die noch bis 2030 EEG-Vergütung erhält. Durch den Austausch von Modulen und Wechselrichter steigerst du die Leistung auf 15 kWp. Dann erhältst du bis 2030 weiterhin die laufende Einspeisevergütung für 10 kWp. Für die zusätzlichen 5 kWp bekommst du ab Inbetriebnahme für weitere 20 Jahre die jeweils gültige Vergütung.
    Zusammenfassung: Repowering steigert die Leistung deiner bestehenden PV-Anlage mit weniger Investition. Du nutzt vorhandene Komponenten weiter und sicherst dir parallel neue Vergütungssätze für zusätzliche Leistung.

Auch für Repowering gilt: Den Austausch von Modulen und Wechselrichtern musst du beim Netzbetreiber anzeigen und im Marktstammdatenregister aktualisieren lassen.

Gut zu wissen: Um grob zu kalkulieren, welche Option sich für deine Ü20-Anlage am meisten lohnt, kannst du den kostenlosen Online-Rechner der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) nutzen. Für eine genaue Berechnung solltest du dich von Fachleuten beraten lassen.

Wichtig: Zum 1. Januar 2027 ist eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) geplant. 

Dadurch könnten sich die derzeitigen Regelungen ändern – im Zweifel zu Ungunsten von Anlagenbetreiber:innen. Darum solltest du mit einer geplanten Investition nicht zu lang warten. Beantworte direkt hier einige Fragen zu deinen individuellen Ansprüchen – unsere Expert:innen melden sich dann bei dir.

  1. Quelle: Netztransparenz.de

  2. Quelle: Fraunhofer

  3. Quelle: Verivox