Fährt wie ein Turbo-Diesel: VW Passat TSI EcoFuel
Sparspaß trifft Fahrspaß
Erdgas hat bei Volkswagen einen Namen: EcoFuel. Der moderne TSI-Motor hat sich mittlerweile im Markt etabliert. Die technischen Daten versprechen einiges aber wir wollten es genau wissen. Wie fährt er sich denn nun? EWE hatte die Gelegenheit eine Limousine zu testen.
Ausstattung mit gehobenen Niveau.
Wir fuhren den Passat in der Ausstattungsvariante Highline. Die Ausstattung unseres Testwagens ließ keine Wünsche mehr offen: Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG), elektrisch verstellbare Sportsitze in Alcantara-Leder, passend zur zweifarbigen Innenausstattung in Anthrazit und Beige sowie Navigation, Klimaautomatik, Tempomat und vieles mehr, was den Grundpreis von 29 975 Euro deutlich nach oben treibt, aber den Umgang mit diesem Fahrzeug sehr angenehm gestaltet. Preislich liegt der Erdgas-Passat damit 2 575 Euro über dem 160-PS-TSI und 2 100 Euro über dem 2.0 TDI mit 140 PS. Der EWE-Zuschuss in Höhe von 1 250 Euro mildert den Mehrpreis jedoch deutlich ab.
Von außen unterscheidet sich der Wagen, außer durch den Schriftzug „TSI ECO FUEL“ am Heck, zunächst nicht von seinen Benzin- und Diesel-Geschwistern. Erst auf den zweiten Blick fällt uns das fehlende Auspuff-Endstück auf. Auch der Blick hinter den Stoßfänger lässt das Rohr nicht sichtbar werden. Wie auch, endet die Abgasanlage doch bereits vor der Hinterachse. Der Grund: durch den verkürzten Abgasstrang bleibt mehr Platz für die drei Erdgastanks, die sich unter dem Fahrzeugboden befinden und durch eine Abdeckplatte geschützt sind. Die 21 Kilogramm fassenden Tanks schränken den sehr großen, glattflächigen Kofferraum nicht ein, einzig der doppelte Boden, in dem normalerweise das Reserverad seinen Platz findet, fällt den beiden hinteren Flaschentanks zum Opfer.
Raumwunder trotz Erdgastanks.
Trotzdem hat der Passat seine schon von jeher bekannte Eigenschaft als Raumwunder bewahrt. Das wissen besonders unsere Passagiere auf der Rückbank immer wieder zu loben. Aber auch vorn geht es keinesfalls beengt zu. Die Sitze bieten einen guten Seitenhalt und sorgen sowohl auf den Frontsitzen als auch im Fond für komfortables Reisen auf längeren Strecken. Im Innenraum erwarteten uns klare Linien und angenehm eingesetztes Holzdekor, Aluminium und Chrom, die den Eindruck von gediegener Qualität verstärken.
Die Instrumente sind übersichtlich angeordnet, gut ablesbar und unterstreichen in ihrer Gestaltung das Ambiente. Im Kombi-Instrument haben wir alle Informationen im Blick, die wir für unsere Fahrt benötigen. Im Gegensatz zum Standard-Passat hat der EcoFuel zwei Tankanzeigen, eine für Erdgas und eine für Benzin, die als kleine Rundinstrumente in Tacho und Drehzahlmesser integriert sind. Zusätzlich können wir auf dem Multifunktionsdisplay sehen, wie viele Kilometer wir mit unserer aktuellen Erdgasfüllung noch fahren können. Alle Bedienelemente erklären sich selbst und sind dort zu finden, wo man sie sucht. Einzig einen Schalter zum umschalten auf Benzin suchten wir vergebens. Den braucht man aber auch nicht, schaltet der Erdgas-Passat doch, wie seine Erdgas-Brüder Touran und Caddy, automatisch auf Benzin um, wenn der Erdgastank leer ist.
Weitreichende Fahrfreude.
Ein besonderer Wohlfühleffekt geht vom Motor aus, der ebenfalls keine Wünsche offen lässt. Nach dem Starten müssen wir schon zweimal hinhören, ob der Motor läuft oder nicht, so leise ist das Aggregat. Trotzdem verhilft es dem Passat mit seinen 150 PS zu mehr als ansehnlichen Fahrleistungen, die mittels sportivem Fahrwerk angemessen auf die Straße gebracht werden. Dieses Fahrwerk (kein Sportfahrwerk) arbeitet zwar straff, aber nicht unkomfortabel und verschafft dem Passat zusammen mit der direkten und exakten Lenkung ein fast sportliches Handling.
Wir tankten an der neuen Erdgastankstelle auf dem Aral-Autohof in Uplengen gut 20 Kilogramm Erdgas der Qualität „L“. Preis: 79,9 Cent pro Kilogramm. Das reichte für eine schöne Tagestour durch Ostfriesland entlang der Nordseeküste und über den Jadebusen bis nach Cuxhaven und zurück. Immerhin eine Strecke von fast 400 km. Der Verbrauch lag bei 5,5 Kilogramm pro 100 km, was Fahrtkosten von 4,40 Euro pro 100 Kilometer entspricht. Für ein Auto dieser Klasse ein höchst erstaunlicher Wert. Die zahlreichen Erdgastankstellen auf unserer Route - sonst bei längeren Touren unerlässlich - konnten wir mit einem Lächeln links liegen lassen. Mit der Benzinreserve von 31 Litern hätten wir auch bis nach Belgien oder Dänemark fahren können, in Länder also, in denen die Infrastruktur für Erdgas noch nicht entwickelt ist.
Ein Wolfsburger im Schafspelz.
Ist der Passat EcoFuel erst einmal auf der Straße, kann er sowohl als ein angenehmer Gleiter und auch durchaus als Sportler bewegt werden. Schon bei geringen Drehzahlen sorgt der Kompressor für ein optimales Ansprechverhalten. Das senkt den Verbrauch und hebt den Fahrspaß. Dabei hilft ihm auch das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das für die jeweilige Situation den passenden Gang heraussucht und bei Beschleunigungen erfreulich schnell nachzieht. Der Vorschub erinnert ein wenig an den berühmten „Turbo-Bums“ der Pumpe-Düse TDIs ohne jedoch deren bekanntes Turboloch zu spüren. Tolle Sache, so ein Kompressor! Drückt man beherzt aufs Gaspedal, insbesondere im wählbaren Sportmodus des DSG, zerren die 220 Newtonmeter ganz schön an der Vorderachse, so dass sich die Traktion im Grenzbereich bewegt. Aber dafür gibt es ja die obligate Antriebsschlupfregelung, die allzu ungestüme Fußbewegungen sanft wieder einfängt.
Seinen wahren Charakter beweist der immerhin fast 1600 Kilogramm wiegende Passat bei einer längeren, schnellen Autobahnetappe auf der A27 Richtung Cuxhaven. Wir fühlen uns wie in der Oberklasse. Mit seinem ausgezeichneten Geradeauslauf auch bei hohen Geschwindigkeiten, den geringen Fahrgeräuschen und den selbst oberhalb 200 km/h noch sehr gut zu ertragenden Windgeräuschen empfiehlt er sich als Kilometerfresser. Auch mit seiner durch den Erdgasantrieb nicht eingeschränkten Zuladung von fast 600 Kilogramm kann er sogar gegen größere Fahrzeuge konkurrieren. Nur beim CO2-Ausstoß kann er bei seinen Konkurrenten nicht „mithalten“: 119 Gramm pro Kilometer sind in dieser Klasse ein bisher einzigartiger Wert, der sowohl für ein besseres Umweltgewissen als auch demnächst für deutlich weniger Kraftfahrzeugsteuern sorgen wird.
Fazit:
Der VW Passat hat sich vom Image des typischen „Vertreter-Wagens“ entfernt. Er bietet seinen Passagieren mehr als Platz und Komfort. Die bisher häufig bei Erdgasautos fehlende Agilität gehört bei Ihm hinlänglich der Vergangenheit an. Mit dem modernen, doppelt aufgeladenen TSI-Motor kommen die guten Eigenschaften von Erdgas als Kraftstoff noch besser zur Geltung und neben dem Spareffekt stellt sich nun auch ein Spaßeffekt beim Fahren ein. Der Preis ist sicher nicht billig aber preiswert, bedenkt man den erheblichen Vorteil bei den Tankkosten. Der Mehrpreis gegenüber Benziner und Diesel dürfte sich dadurch schnell amortisieren. Und schließlich hilft EWE ja noch mit einem Zuschuss.
Hier finden sie weitere Informationen zum VW Passat TSI EcoFuel.


